Löwenstein-Chronik

Die Löwenstein’sche Pausa
Chronik von Ereignissen in den Jahren 1919 bis 1936

Chronologie der Entwicklung des innovativen Textilunternehmens Pausa in den Jahren von 1919 bis 1936 nach dem Ende des Ersten Weltkrieges, nach der Revolution in Deutschland und nach dem Entstehen der Demokratie mit neuer Verfassung sowie zeitgleich mit der Gründung des Bauhauses ebenfalls im Jahr 1919.

.

1919 Gründung der Löwenstein’schen Pausa durch Flora und Artur Löwenstein sowie Helene und Felix Löwenstein mit Verwaltungssitz in Stuttgart und Produktionsstandort Mössingen.

1920 Eva Löwenstein, Tochter von Helene und Felix Löwenstein, wird geboren.

1920 Am 4. Februar 1920 tritt das Betriebsrätegesetz in Kraft. In der Pausa wird ein Betriebsrat gebildet.

1920 Die Lohngesetzgebung der Landesregierung führt zu Lohnkürzung und zu landesweiten Streiks. Nach Einsatz des Militärs rufen Gewerkschaften und KPD zum Generalstreik auf. In Mössingen ziehen ca. 200 Arbeiter anderer Firmen zur Pausa und fordern, die Maschinen abzustellen.

1920/21 Die Pausa wird Mitglied der „Württembergischen Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Werkbundes“.

1921 Einrichtung einer Abteilung für das Handmodel-Druckverfahren. Beginn der Zusammenarbeit der Pausa mit dem Bauhaus in Weimar.

1921 Liselotte Löwenstein, Tochter von Flora und Artur Löwenstein, kommt zur Welt.

1921 Ausrichtung eines „Wettbewerbs für gedruckte Tischdecken“ durch die Pausa in Kooperation mit dem Landesgewerbemuseum Stuttgart.

1921 Die Pausa stellt in Leipzig aus und präsentiert sich auf der Leipziger Muster-Messe bis 1926 jährlich.

1922 Otto Löwenstein, Sohn von Helene und Felix Löwenstein, wird geboren (später Roger Kingsley).

1922 Beteiligung an der „Werkbund-Ausstellung württembergischer Erzeugnisse“ in Stuttgart unter Leitung von Architekt Richard Döcker.

1923 Umwandlung der Pausa OHG in eine Aktiengesellschaft – Mechanische Weberei Pausa A.G.

1923 Helmut Löwenstein (später Harold Livingston), Sohn von Flora und Artur Löwenstein, kommt zu Welt.

1924 Doris Löwenstein (später Doris Angel), Tochter von Helene und Felix Löwenstein, wird geboren.

1925 Vereine des örtlichen Arbeiter-Sportkartells erbauen die Langgass-Turnhalle in Mössingen.

1925 Die Pausa nimmt an der II. Internationalen Kunstgewerbe-Ausstellung „Mostra Internazionale delle Arti Decorative“ in Monza teil.

1925 Der Architekt des Neuen Bauens Richard Döcker leitet (1922–1925) den Bau des Pausa-Gebäudes an der Steinlach (heutige Falltorstraße).

1926 Beginn der Zusammenarbeit der Löwensteins mit Lily Hildebrandt.

1927 Dank guter Auftragslage wird das 1925 erbaute Fabrikgebäude aufgestockt und der Kamin errichtet.

1927 Teilnahme an der Stuttgarter Werkbund-Ausstellung „Die Wohnung“. Innenräume der Häuser der Weißenhof-Siedlung werden mit Pausa-Stoffen ausgestattet.

1927/28 Einführung des Zwei-Schicht-Betriebs in der Pausa.

1927 Die Pausa nimmt an der III. Internationalen Kunstgewerbe-Ausstellung „Mostra Internazionale delle Arti Decorative“ in Monza teil.

1928 Der Architekt Richard Döcker leitet den Neubau der Shedhalle „Neue Fabrik“ (heutige Karl-Jaggy-Straße).

1928 Die Bauhaus-Schülerin Friedl Dicker kommt zur Pausa.

1928 Die Löwenstein’sche Pausa wird von der Jury des Grassimuseums zur Ausstellung nach Leipzig eingeladen (wie auch in den Jahren 1929 und 1930).

1928 Lisbeth Oestreicher – noch am Bauhaus in Dessau – erstellt im Auftrag der Löwensteins Entwürfe für die Pausa.

1929 Einrichtung der Filmdruckerei (Siebdruck).

1929 Auf der Weltausstellung 1929 in Barcelona (Exposición Internacional de Barcelona) gewinnt die Pausa eine der höchsten internationalen Auszeichnungen, den Gran Premio.

1929 In der Weltwirtschaftskrise kommt es zu Massenentlassungen. Die Löwensteins verlagern den Pausa-Verwaltungssitz von Stuttgart an den Produktionsort Mössingen. Mössingen wird Zweitwohnsitz.

1929 Die Bauhaus-Schülerin Ljuba Monastirskaja arbeitet als Volontärin in der Pausa.

1930 Helene und Felix Löwenstein reisen geschäftlich in die USA.

1930 Ljuba Monastirskaja wird Leiterin des Weberei-Entwurfsbüros der Pausa.

1930 Die Pausa nimmt am Salon der Société des artistes décorateurs (Vereinigung der französischen Inneneinrichter) im Pariser Grand Palais teil.

1930 Die Bauhaus-Schülerin Lisbeth Oestreicher volontiert bei der Pausa.

1930 Ljuba Monastirskaja präsentiert Stoffe der Löwenstein’schen Pausa auf der Grassi-Messe.

1930 Friedl Dicker beendet ihre Arbeit für die Pausa.

1930 Pausa-Stoffe sind Teil der Werkbundausstellung „Leben im Hochhaus“ in Paris.

1930 Pausa-Stoffe sind Teil der Ausstellung „Decorative Metalwork and Cotton Textiles“ in den USA (Boston, New York, Chicago, Cleveland). Die Pausa stellt u.a. gewebte Möbelstoffe von Richard Herre und Friedl Dicker aus.

1931 Verlegung der Verwaltung der Pausa von der Marienstraße in Stuttgart nach Mössingen.

1932 Ljuba Monastirskaja verlässt die Pausa.

1932 Arbeitskampf der Pausa-Belegschaft gegen Lohnkürzungen.

1932 Die Pausa-Firmenleitung kündigt die Zusammenarbeit mit Betrieben auf, die mit der NSDAP kooperieren. Die Löwensteins erhalten nationalsozialistische Drohungen.

1933 Am 31. Januar tritt die Pausa-Belegschaft mit Unterstützung der Firmenleitung in den Streik gegen die Machtübertragung an Adolf Hitler: Mössinger Generalstreik.

1933 Der Umsatz der Pausa sinkt auf 400.000 RM. Die Shedhalle wird stillgelegt. Vorübergehend müssen alle Beschäftigten entlassen werden.

1934 Felix Löwenstein sondiert in Manchester die Möglichkeit einer Flucht nach England.

1934 Die Textilgestalterin Anneliese May arbeitet für die Löwenstein’sche Pausa.

1934 Nach und nach werden die entlassenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wieder eingestellt.

1935 Beginn des antisemitischen Verbrechens gegen die Familien Löwenstein.

1935 Willi Häussler wird von den Löwensteins zur Pausa gerufen.

1936 Ein konzertiertes Vorgehen von Gemeinderat, Bürgermeister, Landrat, Sparkasse, Unternehmern und NSDAP erpressen die Pausa-Eigentümer. Die Löwenstein’sche Pausa gerät in die Hände von – dem NS-Regime nahestehenden – Unternehmern. Richard Burkhardt und Willi Häussler werden zu Führungskräften.

1936 Die Mössinger Moderne der zwanziger und dreißiger Jahre ist endgültig beendet.

1936 Nach der erpressten Herausgabe der Pausa fliehen die Mitglieder der Familien Löwenstein nach England und Italien.

1936 Felix Löwenstein startet das Textilunternehmen Helios in Manchester. Bei Helios arbeiten u.a. die Künstlerinnen Anneliese May, Marianne Straub sowie die Bauhaus-Schülerinnen Margaret Leischner und Otti Berger.

.