{"id":18,"date":"2023-04-12T11:33:24","date_gmt":"2023-04-12T09:33:24","guid":{"rendered":"http:\/\/www.initiative-loewensteinverein.de\/wpc\/?page_id=18"},"modified":"2025-08-13T14:14:35","modified_gmt":"2025-08-13T12:14:35","slug":"loewensteinsche-pausa","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.initiative-loewensteinverein.de\/wpc\/index.php\/loewensteinsche-pausa\/","title":{"rendered":"L\u00f6wensteinsche Pausa"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Mechanische Weberei Pausa AG<br>Zur Geschichte der L\u00f6wenstein\u2019schen Pausa 1919\u20131936<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>\u201eWir sind heute zusammengekommen, um das Andenken an Artur und Felix L\u00f6wenstein zu ehren, zwei sch\u00f6pferische und flei\u00dfige Unternehmer. Unsere V\u00e4ter waren ma\u00dfgeblich an der Begr\u00fcndung der modernen Wirtschaft von M\u00f6ssingen beteiligt. Harold und ich freuen uns, dass die Stadt heute bl\u00fcht und gedeiht, und besonders dar\u00fcber, dass die Stadtverwaltung und viele M\u00f6ssinger B\u00fcrger die Leistungen der Br\u00fcder L\u00f6wenstein anerkennen und w\u00fcrdigen.\u201c<\/em> (Doris Angel, Harold Livingston, 2009)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><em>\u201eWir sind alle sehr erfreut, dass 75 Jahre nach der Vertreibung unserer V\u00e4ter der Name L\u00f6wenstein ein Teil der Stadt M\u00f6ssingen wird und schon teilweise ist.\u201c<\/em> (Harold Livingston, 2011)<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Im Jahr 1919 gr\u00fcndeten Flora und Artur L\u00f6wenstein sowie Helene und Felix L\u00f6wenstein das Unternehmen \u201eMechanische Weberei Pausa\u201c. Sie hatten daf\u00fcr die M\u00f6ssinger Buntweberei-Niederlassung der j\u00fcdischen Familie Bernheim erworben. Zuvor hatten die L\u00f6wensteins den Versuch, ein Textilunternehmen am Ort Pausa im Vogtland aufzubauen, aufgegeben. Den Namen \u201ePausa\u201c nahmen die L\u00f6wensteins jedoch mit ins Steinlachtal nach M\u00f6ssingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">F\u00fcr die Investitionen in den Standort M\u00f6ssingen sprachen die Grundfl\u00e4che und Geb\u00e4ude in der damaligen Lehrgasse (heute Falltorstra\u00dfe), die Qualifikationen und Kompetenzen der Belegschaft, die Ger\u00e4te sowie die Lage an der wasserreichen Steinlach und insbesondere auch die Anbindung des Standortes an das Eisenbahnnetz. Die L\u00f6wensteins arbeiteten an zwei Orten: Der Verwaltungssitz des im Jahre 1923 zur Aktiengesellschaft umgewandelten Betriebes befand sich bis zum Ende der 1920er Jahre in Stuttgart. M\u00f6ssingen war von Anfang an der Standort der Produktion. Angesichts der Folgen der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 entschieden die L\u00f6wensteins, auch den Verwaltungssitz an die Steinlach zu verlegen. Von da an hatten sie Wohnsitze in Stuttgart und in M\u00f6ssingen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.initiative-loewensteinverein.de\/wpc\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/Alte-Pausa_0004.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p><em>Fabrikgeb\u00e4ude der L\u00f6wenstein&#8217;schen Pausa in M\u00f6ssingen Mitte der 1920er Jahre. Stadtarchiv M\u00f6ssingen<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Die L\u00f6wensteins verbanden ihre Unternehmensstrategie mit den Ideen des ebenfalls im Jahr 1919 gegr\u00fcndeten Bauhauses: \u201eWir propagieren schon seit dem Jahr 1921 den modernen Stil, auch Bauhausstil genannt.\u201c Die L\u00f6wensteins gewannen die Bauhaussch\u00fclerinnen Ljuba Monastirskaja, Lisbeth Oestreicher und Friedl Dicker f\u00fcr die Arbeit in der Pausa.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">In den 1920er Jahren investierten die L\u00f6wensteins in neue Geb\u00e4ude, neue Maschinen, neue Materialien und Patente. Bis zum Jahr 1929 verfolgte die Unternehmensleitung eine aktive Expansionsstrategie. 1925 entstand der Neubau an der Steinlach, der kurz darauf schon erweitert werden musste. 1928 wurden die Shedhallen als \u201eNeue Fabrik\u201c eingeweiht. Beide Geb\u00e4ude plante der Stuttgarter Architekt Richard D\u00f6cker, ein Vertreter des \u201eNeuen Bauens\u201c und Mitgestalter der Weissenhof-Siedlung. Im Jahr 1989 wurden die alte Pausa und im Jahr 2007 die Shedhallen abgerissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Im Jahr 1933 schrieb Felix L\u00f6wenstein an die in Berlin herausgegebene Textilzeitung: \u201eDie Fabrik ist in technischer Hinsicht durchaus vertikal aufgestellt. Weberei, F\u00e4rberei, Druckerei, Mercerisier- und Ausr\u00fcstungsanstalt. Pausastoffe werden demnach vom rohen Faden an bis zum fensterfertigen Gewebe ausschlie\u00dflich im eigenen Betrieb hergestellt. Die Firma hat als eine der ersten Industriefirmen der Branche den Wert der k\u00fcnstlerischen Durchdringung der formalen, farblichen und technischen Probleme erkannt und besch\u00e4ftigt schon seit Jahren Textilk\u00fcnstler von anerkanntem Ruf in ihren Betrieben. [\u2026] Infolge dieses Umstandes steht Pausa schon seit Jahren in geschmacklicher Hinsicht an f\u00fchrender Stelle. Pausa-Stoffe werden von den Fachleuten im In- und Ausland gleicherma\u00dfen gesch\u00e4tzt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Durch eine konzertierte Aktion von Gemeinderat, B\u00fcrgermeister, Sparkasse, Landrat, NS-Beh\u00f6rden und Unternehmern wurden die L\u00f6wensteins in den Jahren 1935\/36 bedroht und erpresst, ihr Unternehmen unter Wert abzugeben. NS-T\u00e4ter erzwangen die Enteignung und die Flucht. Es war ein antisemitisches Verbrechen und ein staatlich unterst\u00fctzter Raub.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1951 bis 1961 neben den Shedhallen die neue Pausa mit Tonnenhalle, Bogenhalle, Verwaltungsgeb\u00e4ude, Kantine etc. errichtet. Zu den verantwortlichen Auftraggebern dieses vom Architekten Manfred Lehmbruck neu konzipierten Areals geh\u00f6rten auch jene T\u00e4ter, die 1949\/50 von der Familie L\u00f6wenstein vor dem Landgericht T\u00fcbingen im Restitutionsverfahren erfolgreich verklagt wurden. Dieses Areal ist das heutige Pausa-Quartier in M\u00f6ssingen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">Seit 2011 erinnert der L\u00f6wensteinplatz im Pausa-Quartier an die j\u00fcdische Gr\u00fcnderfamilie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mechanische Weberei Pausa AGZur Geschichte der L\u00f6wenstein\u2019schen Pausa 1919\u20131936 \u201eWir sind heute zusammengekommen, um das Andenken an Artur und Felix L\u00f6wenstein zu ehren, zwei sch\u00f6pferische und flei\u00dfige Unternehmer. Unsere V\u00e4ter waren ma\u00dfgeblich an der Begr\u00fcndung der modernen Wirtschaft von M\u00f6ssingen beteiligt. Harold und ich freuen uns, dass die Stadt heute bl\u00fcht und gedeiht, und besonders dar\u00fcber, dass die Stadtverwaltung und viele M\u00f6ssinger B\u00fcrger die Leistungen der Br\u00fcder L\u00f6wenstein anerkennen und w\u00fcrdigen.\u201c (Doris Angel, Harold Livingston, 2009) \u201eWir sind alle sehr erfreut, dass 75 Jahre nach der Vertreibung unserer V\u00e4ter der Name L\u00f6wenstein ein Teil der Stadt M\u00f6ssingen wird und schon teilweise ist.\u201c (Harold Livingston, 2011) Im Jahr 1919 gr\u00fcndeten Flora und Artur L\u00f6wenstein sowie Helene und Felix L\u00f6wenstein das Unternehmen \u201eMechanische Weberei Pausa\u201c. Sie hatten daf\u00fcr die M\u00f6ssinger Buntweberei-Niederlassung der j\u00fcdischen Familie Bernheim erworben. Zuvor hatten die L\u00f6wensteins den Versuch, ein Textilunternehmen am Ort Pausa im Vogtland aufzubauen, aufgegeben. Den Namen \u201ePausa\u201c nahmen die L\u00f6wensteins jedoch mit ins Steinlachtal nach M\u00f6ssingen. F\u00fcr die Investitionen in den Standort M\u00f6ssingen sprachen die Grundfl\u00e4che und Geb\u00e4ude in der damaligen Lehrgasse (heute Falltorstra\u00dfe), die Qualifikationen und Kompetenzen der Belegschaft, die Ger\u00e4te sowie die Lage an der wasserreichen Steinlach und insbesondere auch die Anbindung des Standortes an das Eisenbahnnetz. Die L\u00f6wensteins arbeiteten an zwei Orten: Der Verwaltungssitz des im Jahre 1923 zur Aktiengesellschaft umgewandelten Betriebes befand sich bis zum Ende der 1920er Jahre in Stuttgart. M\u00f6ssingen war von Anfang an der Standort der Produktion. Angesichts der Folgen der Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 entschieden die L\u00f6wensteins, auch den Verwaltungssitz an die Steinlach zu verlegen. Von da an hatten sie Wohnsitze in Stuttgart und in M\u00f6ssingen. Fabrikgeb\u00e4ude der L\u00f6wenstein&#8217;schen Pausa in M\u00f6ssingen Mitte der 1920er Jahre. Stadtarchiv M\u00f6ssingen Die L\u00f6wensteins verbanden ihre Unternehmensstrategie mit den Ideen des ebenfalls im Jahr 1919 gegr\u00fcndeten Bauhauses: \u201eWir propagieren schon seit dem Jahr 1921 den modernen Stil, auch Bauhausstil genannt.\u201c Die L\u00f6wensteins gewannen die Bauhaussch\u00fclerinnen Ljuba Monastirskaja, Lisbeth Oestreicher und Friedl Dicker f\u00fcr die Arbeit in der Pausa. In den 1920er Jahren investierten die L\u00f6wensteins in neue Geb\u00e4ude, neue Maschinen, neue Materialien und Patente. Bis zum Jahr 1929 verfolgte die Unternehmensleitung eine aktive Expansionsstrategie. 1925 entstand der Neubau an der Steinlach, der kurz darauf schon erweitert werden musste. 1928 wurden die Shedhallen als \u201eNeue Fabrik\u201c eingeweiht. Beide Geb\u00e4ude plante der Stuttgarter Architekt Richard D\u00f6cker, ein Vertreter des \u201eNeuen Bauens\u201c und Mitgestalter der Weissenhof-Siedlung. Im Jahr 1989 wurden die alte Pausa und im Jahr 2007 die Shedhallen abgerissen. Im Jahr 1933 schrieb Felix L\u00f6wenstein an die in Berlin herausgegebene Textilzeitung: \u201eDie Fabrik ist in technischer Hinsicht durchaus vertikal aufgestellt. Weberei, F\u00e4rberei, Druckerei, Mercerisier- und Ausr\u00fcstungsanstalt. Pausastoffe werden demnach vom rohen Faden an bis zum fensterfertigen Gewebe ausschlie\u00dflich im eigenen Betrieb hergestellt. Die Firma hat als eine der ersten Industriefirmen der Branche den Wert der k\u00fcnstlerischen Durchdringung der formalen, farblichen und technischen Probleme erkannt und besch\u00e4ftigt schon seit Jahren Textilk\u00fcnstler von anerkanntem Ruf in ihren Betrieben. [\u2026] Infolge dieses Umstandes steht Pausa schon seit Jahren in geschmacklicher Hinsicht an f\u00fchrender Stelle. Pausa-Stoffe werden von den Fachleuten im In- und Ausland gleicherma\u00dfen gesch\u00e4tzt.\u201c Durch eine konzertierte Aktion von Gemeinderat, B\u00fcrgermeister, Sparkasse, Landrat, NS-Beh\u00f6rden und Unternehmern wurden die L\u00f6wensteins in den Jahren 1935\/36 bedroht und erpresst, ihr Unternehmen unter Wert abzugeben. NS-T\u00e4ter erzwangen die Enteignung und die Flucht. Es war ein antisemitisches Verbrechen und ein staatlich unterst\u00fctzter Raub. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1951 bis 1961 neben den Shedhallen die neue Pausa mit Tonnenhalle, Bogenhalle, Verwaltungsgeb\u00e4ude, Kantine etc. errichtet. Zu den verantwortlichen Auftraggebern dieses vom Architekten Manfred Lehmbruck neu konzipierten Areals geh\u00f6rten auch jene T\u00e4ter, die 1949\/50 von der Familie L\u00f6wenstein vor dem Landgericht T\u00fcbingen im Restitutionsverfahren erfolgreich verklagt wurden. Dieses Areal ist das heutige Pausa-Quartier in M\u00f6ssingen. 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